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„Wir arbeiten viel intensiver und nachhaltiger mit den Fachschulen zusammen!“

Romana Booth arbeitet seit vielen Jahren als pädagogische Fachkraft. Seit 2000 ist sie in der Elterninitiative Murkel e.V. in Siegburg in Nordrhein-Westfalen als Fach- und Leitungskraft tätig. Durch ihre langjährige Tätigkeit im pädagogischen Bereich bringt sie auch als Ausbilderin viele Erfahrungen mit. Seit 2021 wird sie deshalb im Bundesprogramm „Fachkräfteoffensive“ als Koordinationskraft für die Lernortverzahnung gefördert. Die geförderten Koordinationskräfte sollen den Austausch zwischen den Lernorten Praxis und Schule für angehende pädagogische Fachkräfte verbessern. Außerdem unterstützen sie Träger dabei, eigene Ausbildungskonzepte zu erarbeiteten oder weiterzuentwickeln.

„Als Elterninitiative beschäftigen wir sechs Auszubildende.“

Die insgesamt drei Einrichtungen der Elterninitiative Murkel e.V. legten schon immer einen Fokus auf die professionelle Anleitung von Fachkräften. „Wir möchten für unsere Einrichtungen hochqualifiziertes Personal ausbilden und langfristig binden“, erläutert Romana Booth im Gespräch. In den letzten Jahren stellte sie jedoch fest, dass sich immer weniger jungen Menschen für den Beruf der Erzieherin und des Erziehers bewarben. Stellen blieben teilweise unbesetzt. Die in der „Fachkräfteoffensive“ geförderte praxisintegrierte Ausbildung (PiA) ist ein attraktives Ausbildungsmodell und half neue Fachkräfte zu gewinnen. „Das Fördermodul ist ein großer Gewinn für uns. Als Elterninitiative beschäftigen wir in unseren Kinderhäusern aktuell über alle Jahrgangsstufen hinweg insgesamt sechs Auszubildende“, berichtet Romana Booth. Durch die hohe Anzahl an Auszubildenden nahm der Abstimmungsbedarf mit den Fachschulen zu.

„Wir arbeiten viel intensiver und nachhaltiger mit den Fachschulen zusammen!“

Romana Booth erläutert, dass die zeitliche Ressource bei der Verzahnung von Praxis und Schule einen hohen Stellenwert einnimmt. Neben der Bündelung unterschiedlicher Interessen braucht es regelmäßige Austauschformate. „Ich habe nun Zeit, mich gezielt mit den relevanten Fragen auseinanderzusetzen: Wie kann eine nachhaltige Vernetzung gelingen? Wie können wir die Zusammenarbeit besser strukturieren?“ Durch die zur Verfügung stehende Zeit als Koordinationskraft kann Romana Booth Kontakt mit den Schulen aufnehmen. „Das haben wir bereits vorher getan. Nun arbeiten wir aber viel intensiver und nachhaltiger mit den Fachschulen zusammen!“, erzählt Romana Booth. Sie trifft sich mit den Ansprechpersonen in den Schulen sowie in regelmäßigen Abständen auch mit den Auszubildenden ihrer Einrichtungen. „Unsere Auszubildende sind ein fester Bestandteil des Teams. Damit das so bleibt, braucht es eine gute Begleitung.“

„Für die Fachschulen ist der Einblick in die Praxis sehr wichtig.“

Die Fachschulen sind nicht zur Zusammenarbeit mit den Einrichtungen verpflichtet. Deshalb überzeugt Romana Booth die Mitarbeitenden in den Schulen von den Vorteilen einer guten Vernetzung. „Für die Fachschulen ist der Einblick in die Praxis sehr wichtig, unter anderem um Missverständnisse oder Vorurteile zu vermeiden.“ Die Häuser der Elterninitiative Murkel e.V. folgen einem offenen Gruppenkonzept. Einige Dozierende vermitteln in der Schule jedoch schwerpunktartig feste Gruppenstrukturen. „Auch den Auszubildenen hilft ein Austausch, um die verschiedenen Konzepte zu reflektieren. Sie müssen Theorie und Praxis miteinander in Einklang bringen“, führt Romana Booth aus. „Mit einer Fachschule erfolgt in unserem Kreis eine sehr enge Zusammenarbeit. Sie laden mich zu Fachtagen ein. Auf der Webseite der Fachhochschule wird die Elterninitiative Murkel e.V. als Ausbildungsstätte vorgestellt. Wir tauschen uns beispielsweise zu Ausbildungsmodellen aus und überlegen gemeinsam, wie wir Politik für verbindliche gesetzliche Maßnahmen gewinnen können. Ausbildung gelingt nicht nebenbei, sondern braucht zusätzliche Zeit für die Ausbildenden in der Praxis. Dies sollte sich in den Berechnungen der Fachkraftstunden entsprechend abbilden.“ Zukünftig möchte Romana Booth die Vernetzung mit weiteren Fachschulen, auch in nicht direkter Wohnortnähe, stärken. Dafür bedarf es ihrer Ansicht nach auf regionaler Ebene fester Austauschformate, die sich langfristig etablieren. Für die Elterninitiative Murkel e.V. schafft sie eine Verbindlichkeit in der Zusammenarbeit, indem sie derzeit an einer Konzeption arbeitet. „Damit legen wir die Basis für eine qualitative Ausbildung von Fachkräften. Die Konzeption überprüfen wir ständig und passen sie an aktuelle Erkenntnisse an.“

„Wir zeigen den Auszubildenden dadurch, wie wichtig ihre Arbeit ist!“

Die Auszubildenden der Elterninitiative Murkel e.V. profitieren in hohem Maß von den zusätzlichen Ressourcen einer Koordinationskraft. Sie erhalten die verdiente Wertschätzung: „Wir zeigen ihnen damit, wie wichtig ihre Arbeit ist. Sie fühlen sich von uns ernstgenommen.“, erzählt Romana Booth. Die Auszubildenden erhalten in den gemeinsamen, größeren Austauschformaten genügend Raum, um von ihren Herausforderungen zu berichten. Diese bieten neben den persönlichen Gesprächen mit den Praxisanleitungen eine neue Ebene. Auszubildende in der PiA sind sehr viel stärker in die Praxis eingebunden als andere Fachschülerinnen und Fachschüler. Neben der Arbeit am Kind fallen beispielsweise viele organisatorische Tätigkeiten und die Zusammenarbeit mit den Eltern an. „Diese vielen, unterschiedlichen Tätigkeiten können für Auszubildende sehr herausfordernd sein. Deshalb ist es besonders wichtig, dass wir genug Raum für fachlichen Austausch schaffen.“

Weitere Informationen

Weitere Informationen bietet die „Expertise zur praxisintegrierten Ausbildung – Überblick, Perspektiven und Gelingensbedingungen“ des Zentrums für Kinder- und Jugendforschung (ZfKJ). In der Expertise stellt das ZfKJ die Strukturmerkmale sowie Gelingens- und Hemmfaktoren der praxisintergierten Ausbildung (PiA) vor. Zudem formuliert das ZfKJ Handlungsempfehlungen für die an der PiA beteiligten Akteurinnen und Akteure in Fachschule, Praxis und auf Trägerebene.

 

 

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